Das Sommerhaus (Eine relative Geschichte)

Das Sommerhaus von Einstein ist in den Wintermonaten geschlossen. Ich bin dennoch hin gegangen, es ist nicht weit von Bürgerhaus entfernt, nur 900 m. Meine Neugier war groß. Erst aber machte ich einen Abstecher zu Schwielowsee gleich hinter dem Schloss.

Immer wieder sah ich auf dem Weg zum Landhaus die blauen Schilder, die die Richtigkeit meines Laufziels bestätigten. Auf einmal hinter einem Laubwald stand vor mir das Haus … Bunter? Kleiner? Eigentlich bewaldeter und nicht so solitär in der Landschaft wie in meinen Kopfbildern, sondern umgeben von anderen Anwesen.

Plötzlich hielt ein Auto vor dem Haus, an dessen Beschriftung erkannte ich, es handelt sich um eine Wachdienstfirma, die auf das Haus aufpasst. Ich fragte freundlich den Wächter, der das Eingangstor gerade abschloss:

«Darf ich mit Ihnen reinkommen, um das Haus auch von vorn zu sehen. Ich bin extra deswegen nach Caputh gekommen und wusste nicht, dass man nicht um das Haus herum gehen kann.»

«Nein», erwiderte der beleibte Mann trocken und endgültig.

Wenn Albert da gewesen wäre, hätte er von der Veranda aus zu ihm lächend gerufen: «Lassen Sie den Herrn doch reintreten, er ist ein Nachbar von mir aus Berlin-Schöneberg … wohnt auch in der Haberlandstraße. Ein netter Zeitgenosse.»

«Entschuldigen Sie Herr Professor, ich wusste nicht, wirklich, dass …», hätte der Wachmann duckmäuserisch geantwortet.

Aber mein Berliner Nachbar Herr Einstein war leider nicht mehr da, er kam aus einer Reise im Ausland 1932 nicht mehr zurück nach Deutschland. Nie wieder. Die Machtübertragung der Nazis 1933 machte es nicht möglich.

aus „Besuch im Caputh“ von G. Ortega Coto

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