Viele berühmte Besucher fanden den Weg in Einsteins Wohnung.

01.07.2012

Viele berühmte Besucher fanden den Weg in Einsteins Wohnung. Die Reihe reicht von Künstlern wie Gerhart Hauptmann oder den schon erwähnten Charlie Chaplin über den Bankier und Einstein-Förderer Leopold Koppel bis hin zu Politikern wie Walther Rathenau. Der Schriftsteller und Diplomat Harry Graf Kessler erinnerte sich an eine Abendgesellschaft im Frühjahr 1922 bei Einsteins:

„Abends gegessen bei Albert Einstein. Ruhige, hübsche Wohnung im Berliner Westen [. . . ] etwas zu großes und großindustrielles Diner, dem dieses liebe, fast noch kindlich
wirkende Ehepaar eine gewisse Naivität verlieh [. . . ] Irgendeine Ausstrahlung von Güte und Einfachheit entrückte selbst diese typisch Berliner Gesellschaft dem Gewöhnlichen und verklärte sie durch etwas fast Patriarchalisches und Märchenhaftes.“

Neben solchen eher seltenen Gesellschaftsabenden im Hause Einstein fanden sehr viel öfter Teenachmittage oder Musikabende im kleineren Freundes- oder Kollegenkreis statt; hin und wieder wurde auch zu Vortragsabenden eingeladen, auf denen Einstein über seine Reisen oder andere allgemein interessierende Dinge sprach.

Noch öfter fanden natürlich seine Kollegen und Mitarbeiter den Weg in die Haberlandstraße. Sie wurden zumeist im sogenannten Turmzimmer empfangen. Dieses war 1922 durch den Ausbau des Dachbodens entstanden, um ungestört arbeiten und seine Dienstgeschäfte von zu Hause erledigen zu können, denn ein eigenes Büro hatte Einstein weder in der Akademie noch als Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, zumal als offizielle Dienstadresse desselben die Haberlandstraße fungierte.

Dieses Refugium bestand aus drei Räumen: dem eigentlichen Arbeitszimmer von etwa 17 qm, einem Bücherlager und einer Kammer. Da der Ausbau des Dachbodens ohne behördliche Genehmigung vorgenommen worden war, forderte die städtische Bauaufsicht Einstein 1927 auf, aus baulichen und hygienischen Gründen sein Domizil wieder zu räumen. In einem „Dispensions-Gesuch“ an den Berliner Polizeipräsidenten nahm Einstein dagegen Stellung:

„Ich habe das Zimmer in Stand setzen müssen und habe einen besonderen Zugang zu demselben von der Treppe aus herstellen lassen, um außerhalb meiner Wohnung,
in der ich gar zu viel gestört wurde, meinen Studien obliegen zu können. Ich habe dafür eine erhebliche Summe aufgewendet, die für einen mäßig bezahlten Beamten –
Universitäts-Professor – wesentlich ins Gewicht fällt [. . . ] Das Zimmer soll nur von mir persönlich, nicht aber von anderen genutzt werden. Ein allfälliger hygienischer Mangel
könnte sich nur an mir selbst auswirken; es ist mir aber wohlbekannt, dass die meisten Menschen in Berlin in viel ungünstigeren Räumen arbeiten müssen [. . . ] Als
namhafter Gelehrter und Lehrer an der Universität habe ich auf besondere Berücksichtigung eines auf mein Arbeitszimmer bezüglichen Gesuches moralischen Anspruch.“
Aus: Albert Einstein- Ingenieur des Universums. Einsteins Leben und Werk im Kontext. Ausstellungskatalog. 2005

 

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